Was es für Familien bedeutet, wenn ein Elternteil pflegebedürftig ist.
Sobald sich die Tür zu unserer Intensivpflege-Wohngemeinschaft öffnet und helle Kinderstimmen erklingen, bekommen unsere Kundinnen und Kunden Besuch. In den meisten Fällen sind es Enkelkinder. Manchmal sind es jedoch Kinder, die ihre Mutter oder ihren Vater besuchen.
Pflege ist kein Thema des Alters. Menschen können in jeder Lebensphase pflegebedürftig werden. Auch dann, wenn sie mitten im Familienleben stehen.
Fast jeder vierte Pflegebedürftige in Deutschland ist jünger als 65 Jahre. Die Gründe dafür sind vielfältig: Unfälle, chronische oder akute Erkrankungen oder schwere Krankheitsverläufe können dazu führen, dass Unterstützung notwendig wird.
Ein Teil dieser Menschen ist auf eine spezialisierte Versorgung angewiesen. Auch wir begleiten in der ambulanten Intensivpflege regelmäßig jüngere Kundinnen und Kunden in ihrem gewohnten Umfeld oder in der Wohngemeinschaft. In unserem Arbeitsalltag berücksichtigen wir die besonderen Herausforderungen, vor denen intensivpflegebedürftige Eltern und deren Familien stehen.
Der Alltag ordnet sich neu
Wenn ein Elternteil gepflegt werden muss, verändert sich der Alltag aller Familienmitglieder stark. Manche Erkrankungen entwickeln sich schrittweise. In anderen Fällen entsteht der Einschnitt unerwartet. Ein bedrohlicher Schlaganfall oder eine rasante Verschlechterung des Gesundheitszustandes kann dazu führen, dass das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen von einem Moment auf den anderen auf den Kopf gestellt wird.
In den darauffolgenden Tagen und Wochen geht es darum, sich auf die neue Situation einzustellen. Neben der emotionalen Belastung ergeben sich spürbare Veränderungen im gesamten Tagesablauf. Aufgaben müssen angepasst oder neu verteilt werden und vieles, was vorher selbstverständlich war, verschiebt sich oder entfällt unter Umständen ganz.
Gemeinsame Momente und freie Zeiten ordnen sich Terminen, Arztbesuchen, Therapien und pflegerischen Aufgaben unter. Auch innerhalb der Familie verändern sich Abläufe und Routinen. Wer macht das Frühstück, wer übernimmt den Weg zur Kita, wie kann das abendliche Zubettgehen gestaltet werden? Schule, Arbeit und Pflege müssen koordiniert werden. Finanzielle Fragen können ebenfalls in dieser Zeit eine Rolle spielen.
In Familien mit nur einem Elternteil ist es unter diesen Umständen noch herausfordernder und erfordert möglichst sofort geeignete externe Unterstützung. Auch in solchen Situationen begleiten wir die Betroffenen beratend und geben Orientierung zu passenden Lösungen und Leistungsangeboten.
Besonders in der außerklinischen Intensivpflege gibt es starke Auswirkungen auf das tägliche Leben. Die Versorgung ist komplex und erfordert viel Organisation.
Eine starke Strukturierung des Alltags und umfangreiche Abstimmung sind notwendig, und Familien erleben tiefgreifende Umstellungen.
Kinder im Blick
Wie Kinder mit diesem neuen Lebensabschnitt umgehen, hängt unter anderem von ihrem Alter und ihrer Entwicklung ab. Die Reaktionen auf Veränderungen sind vielfältig. Kinder in allen Altersgruppen nehmen wahr, dass sich der Alltag umstellt, und entwickeln ihren eigenen Umgang mit diesen Herausforderungen. Dabei kann es zu wechselnden Gefühlen wie Angst, Wut, einem starken Bedürfnis nach Nähe oder auch emotionalem Rückzug kommen.
Jüngere Kinder leben überwiegend im Hier und Jetzt. Sie reagieren häufig auf das, was sich unmittelbar um sie herum verschiebt. Sie erleben, dass Bezugspersonen weniger oder auch gar nicht verfügbar sind und gewohnte Abläufe abweichen. Das kann für sie schwer einzuordnen sein.
Kinder im Schulalter nehmen Unterschiede bewusster wahr. Sie vergleichen ihr Lebensumfeld mit dem von Gleichaltrigen und haben ein feines Gespür für Veränderungen. Dabei gelingt es ihnen nicht in jedem Fall, die Gesamtsituation vollständig zu erfassen.
Jugendliche können die Vorgänge meist besser einordnen. Sie informieren sich, setzen sich mit der Erkrankung auseinander und denken über mögliche Folgen nach. Manche übernehmen Aufgaben, andere ziehen sich stärker zurück.
Der Umzug in die Intensivpflege-Wohngemeinschaft
Nicht immer kann die Versorgung des pflegebedürftigen Elternteils dauerhaft im häuslichen Umfeld sichergestellt werden. Pflegepersonen können aus beruflichen oder privaten Gründen an ihre Grenzen stoßen oder der Pflegebedarf und die medizinischen Anforderungen übersteigen die Möglichkeiten.
In solchen Situationen entscheiden sich einige Familien für eine professionelle Versorgung rund um die Uhr in einer Intensivpflege-Wohngemeinschaft.
Seit vielen Jahren begleiten wir Menschen in der außerklinischen Intensivpflege. Auch jüngere Kundinnen und Kunden, teils mit minderjährigen Kindern, versorgen wir in unseren Wohngruppen. In einem wohnlichen und angenehmen Umfeld können die Familien Zeit miteinander verbringen. Besuche sind jederzeit möglich und können individuell gestaltet werden. Auch Geburtstage und Feiertage werden auf Wunsch gemeinsam erlebt.
Wir legen großen Wert darauf, allen Pflegebedürftigen die bestmögliche Lebensqualität zu ermöglichen. Dazu gehört auch, auf Wunsch, die Nähe und die Bindung zu den Kindern aufrechtzuerhalten. Das kann einen wichtigen Beitrag zum Wohlbefinden aller Betroffenen leisten.
Persönliche Dinge, Fotos, selbstgemalte Bilder und kleine Geschenke der Kinder haben ihren festen Platz in den liebevoll eingerichteten Zimmern. Sie sorgen für Erinnerungen und schaffen wichtige Verbindungen zwischen den Familienangehörigen.
Examinierte Pflegekräfte versorgen 24 Stunden an 7 Tagen der Woche die uns anvertrauten Menschen. Die Begleitung umfasst neben pflegerischen und medizinischen Aufgaben auch die Einbeziehung psychosozialer Aspekte. Dazu gehören z. B. das Führen von Gesprächen, das Wahrnehmen von Stimmungen oder auch das Einbeziehen von Angehörigen in den Alltag.
Unser Team beachtet dabei immer die Wünsche und Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden. Gleichzeitig behalten wir die Situation, Fragen und Belastungen der Angehörigen im Blick.
Unterstützung für Eltern und Kinder
Ist ein Elternteil pflegebedürftig, hilft es Familien, frühzeitig passende Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Welche Lösung im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von den individuellen Gegebenheiten ab.
Auch für Kinder gibt es keinen einheitlichen Umgang mit solchen Situationen. Je nach Alter und Verständnis nehmen sie die veränderte Lebenssituation unterschiedlich wahr und gehen individuell damit um. Verlässlichkeit, Orientierung und die Möglichkeit, weiterhin in Beziehung zum pflegebedürftigen Elternteil zu bleiben, können unterstützend wirken.
Wir beraten und begleiten Familien und Angehörige in dieser Zeit.
Wenn Sie sich weiter informieren möchten, finden Sie hier einen Überblick über unsere Intensivpflege-Wohngemeinschaften. Gern können Sie sich auch direkt an uns wenden, wenn Sie Fragen haben.