Warum frühzeitige Unterstützung entlastet und nicht nur bei Krebs wichtig ist
Der jährliche Weltkrebstag ist für uns ein Anlass, über die Bedeutung der Palliativversorgung zu sprechen. Unser Beitrag richtet sich an Menschen mit ganz unterschiedlichen schweren Erkrankungen oder deren Angehörige, die sich Gedanken darüber machen, welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt.
Er soll Orientierung geben, Zusammenhänge einordnen und zeigen, wann palliative Begleitung bei unterschiedlichen lebensbegrenzenden Erkrankungen sinnvoll sein kann.
Weltkrebstag und Palliativversorgung
Jedes Jahr wird am 4. Februar eine Erkrankung in den Fokus gerückt, die weltweit und in Deutschland sehr viele Menschen betrifft. Fast jeder zweite Mensch erkrankt hierzulande im Laufe seines Lebens an Krebs.
Auch in der palliativen Versorgung ist die Erkrankung der häufigste Anlass für die professionelle Begleitung. In der ambulanten Palliativpflege sind rund zwei Drittel der betreuten Patientinnen und Patienten davon betroffen.
Gleichzeitig ist Krebs nicht der einzige Grund dafür, warum Menschen eine palliative Unterstützung benötigen. Auch bei fortgeschrittenen Herz- und Lungenerkrankungen, neurologischen Erkrankungen, wie Demenz, wird palliative Begleitung wichtig, wenn die Beschwerden zunehmen und der Alltag immer herausfordernder wird.
Für alle Betroffenen bedeutet die professionelle Unterstützung vor allem eines: Sie und ihre Angehörigen sind in dieser belastenden Lebensphase nicht allein.
Palliative Begleitung im Alltag
In der ambulanten Palliativversorgung verfolgen wir mit unserer Arbeit das Ziel, die Lebensqualität von Menschen mit schweren, lebensbegrenzenden Erkrankungen möglichst lange zu erhalten und belastende Symptome zu lindern.
Dabei geht es nicht allein um medizinische und pflegerische Maßnahmen, sondern immer auch um eine psychosoziale und alltagsnahe Begleitung im vertrauten häuslichen Umfeld. Die professionelle Palliativpflege kann über einen längeren Zeitraum erfolgen und sich nicht nur auf das Lebensende konzentrieren.
Warum palliative Begleitung häufig mit Krebs verbunden wird
Ein großer Teil der Menschen, die ambulant palliativ begleitet werden, lebt mit einer unheilbaren onkologischen Erkrankung. Die Behandlung ist nicht auf die Heilung, sondern auf Lebensverlängerung oder die Linderung von Beschwerden ausgerichtet.
Krebs ist damit der häufigste Anlass für eine palliative Unterstützung. Die oft hohe Symptomlast, kräftezehrende Therapien und eine schwierige Prognose führen dazu, dass Betroffene und ihre Angehörigen früh auf zusätzliche Begleitung angewiesen sind.
Das Krankheitsgeschehen wird von vielen Faktoren beeinflusst. Das individuelle Ansprechen auf Therapien, mögliche Begleiterkrankungen und sowohl die körperliche als auch die seelische Verfassung der betroffenen Person spielen eine wichtige Rolle für den Verlauf.
Relativ stabile Phasen und Zeiten mit deutlich zunehmenden Einschränkungen können sich abwechseln und sind nicht in jedem Fall vorhersehbar.
Betroffene und Angehörige verunsichern diese Schwankungen. Viele Fragen entstehen erst dann, wenn sich der Zustand verändert oder neue Symptome hinzukommen.
Wir unterstützen seit vielen Jahren neben Tumorpatienten auch Menschen mit anderen lebensbegrenzenden Krankheitsbildern. Dazu gehören unter anderem neurologische Erkrankungen, wie Demenz, schwere Lungenerkrankungen oder fortgeschrittene Herzinsuffizienz. Die Erkrankten erleben im Verlauf vergleichbare körperliche Beschwerden und emotionale Belastungen.
Veränderungen im täglichen Leben
In der palliativen Begleitung stehen Symptome und Belastungen im Vordergrund, die den Alltag der Betroffenen stark beeinträchtigen. Dazu zählen unter anderem Schmerzen, Atemnot, ausgeprägte Müdigkeit und Schwäche, Appetitlosigkeit oder Übelkeit. Viele Menschen erleben zudem innere Unruhe, Ängste, Niedergeschlagenheit oder Phasen von Verwirrtheit.
Diese Beschwerden wirken sich nicht nur körperlich aus. Sie verändern den Tagesablauf, den Schlaf, die Selbstständigkeit und oft auch das Zusammenleben in der Familie. Viele Betroffene erleben dabei nicht nur den Verlust von physischen Fertigkeiten, sondern auch von Sicherheit und Orientierung.
Betroffene und Angehörige bewegen sich im Alltag zwischen Stabilität und Überforderung. Deshalb hat die palliative Begleitung nicht nur einzelne Symptome in den Blick, sondern die gesamte Lebenssituation.
Wenn Verläufe nicht planbar sind
Palliative Begleitung kann in jedem Abschnitt einer schweren Erkrankung sinnvoll sein. Sie muss nicht erst zum Einsatz kommen, wenn das Lebensende unmittelbar bevorsteht.
Gerade dann, wenn die Symptome zunehmen, die Unsicherheit steigt oder die Betroffenen zunehmend an ihre Grenzen kommen, kann eine frühzeitige Einbindung eines ambulanten Pflegedienstes entlasten und Orientierung geben.
Im Pflegealltag zeigt sich, dass eine Krankheit in unterschiedlichen Phasen verlaufen kann. Der Weg bis zum Lebensende ist allerdings immer individuell und nie exakt vorhersehbar. Ein Zustand kann sich stabilisieren, erneut verschlechtern oder unerwartet verändern.
Es gibt Zeiten, in denen Menschen durch gute Symptomkontrolle über Monate bis Jahre hinweg relativ konstant sind und ein weitgehend normales Leben führen können.
Die Phasen mit zunehmenden Einschränkungen sowie stärkeren Beschwerden machen teilweise auch über einen längeren Zeitraum angepasste Kontrollen und Schmerztherapien notwendig.
Schließlich kommt es zu Abschnitten, in denen eine aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben nur noch stark eingeschränkt möglich ist und Abschiede näher rücken. Das Lebensende ist genauso individuell, wie das Leben selbst.
Auch für erfahrene Palliativpflegekräfte sind Krankheitsverläufe nicht vollständig planbar. Veränderungen können überraschend eintreten und erfordern oft eine neue fachliche Einschätzung und Begleitung.
Palliative Begleitung schließt auch den Umgang mit Abschied und Verlust ein. Im Pflegealltag begleiten wir Menschen in der letzten Lebensphase achtsam und in Würde.
Betroffene und Angehörige erfahren in dieser herausfordernden Situation Rückhalt.
Behandelnde Ärztinnen und Ärzte, Pflegedienste und auf Wunsch auch Hospizdienste und ehrenamtlich Engagierte arbeiten eng zusammen. Das Versorgungsnetz trägt zuverlässig, auch wenn sich der Gesundheitszustand plötzlich verändert oder der Abschied näher rückt.
Die ambulante palliative Begleitung erfolgt in unserem Team bei Bedarf in Abstimmung mit den Patienten ebenfalls und unter Einbindung Hospizdiensten.
Unterstützung finden und ins Gespräch kommen
Der Weltkrebstag macht darauf aufmerksam, wie präsent schwere Erkrankungen in vielen Familien sind. Dank einer angemessenen und professionellen palliativen Begleitung im Alltag kann in dieser Lebensphase spürbar entlastet und unterstützt werden.
Mit unserer Arbeit in der ambulanten Palliativpflege versorgen wir die Menschen da, wo unsere Unterstützung benötigt und gewünscht ist: im eigenen Zuhause und im vertrauten Umfeld.
Krankheitsverläufe können nicht exakt festgelegt werden und auch erfahrene Fachkräfte können Entwicklungen nicht immer vorhersehen. Gerade deshalb ist es hilfreich, früh über Unterstützung zu sprechen und sich über vorhandene Möglichkeiten zu informieren.
Wenn Sie Fragen zur ambulanten Palliativversorgung haben oder unsicher sind, ob eine Begleitung für Sie oder Ihre Angehörigen in Ihrer Situation sinnvoll sein kann, kommen Sie auf uns zu. Wir beraten Sie und beantworten Ihre Fragen gerne.
Quellen
Robert Koch-Institut (RKI): Krebs in Deutschland
Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP)
Krebsinformationsdienste (z. B. Deutsche Krebshilfe)